Hochwassergebiet Ahrtal - Lebensrettung im Katastrophengebiet

Hochwassergebiet Ahrtal – Lebensrettung im Katastrophengebiet

Defi-Talk Folge 16: Hochwassergebiet Ahrtal – Lebensrettung im Katastrophengebiet — zu Gast: Dennis Ruland

Thema der Folge: Hochwassergebiet Ahrtal – Lebensrettung im Katastrophengebiet
Dennis Ruland ist unser heutiger Gast. Er ist Vorsitzender von Medical Service NRW e. V. Medical Service NRW e. V. ist ein gemeinnütziger Verein. Der Verein kümmert sich um medizinische Veranstaltungsbetreuung, Personensuchen und Notdienste für Verkehrsunternehmen.

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Hochwasser Ahrtal
Medical Service NRW e. V. hilft bei der Hochwasserkatastrophe im Ahrtal

Hochwassergebiet Ahrtal – Lebensrettung im Katastrophengebiet

Zusammenfassung des Gesprächs

Zusammenfassung des Gesprächs

Defi-Talk Logo. Oranger Hintergrund. Zwei Männer sitzen sich gegenüber, Sprechblasen zeigen einmal ein Piktogramm eines Defibrillators und einmal ein Piktogramm einer Wiederbelebungsszene mit Defibrillator. Schmitz: Herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Defi-Talk. Unser heutiges Thema ist Hochwassergebiet Ahrtal Lebensrettung im Katastrophengebiet.
Unser heutiger Experte ist Dennis Ruhland, Vorsitzender von Medical Service NRW e. V. Medical Service NRW e. V. ist ein gemeinnütziger Verein. Der Verein kümmert sich um medizinische Veranstaltungsbetreuung, Personensuche und Notdienste für Verkehrsunternehmen.
Unser Kollege Thomas Coß hat Dennis Ruland bei der Hochwasserkatastrophe in Ahrweiler kennengelernt. Dennis herzlich willkommen.

Ruland: Ja, hallo! Ich freue mich, dabei sein zu können.

Schmitz: Ich freue mich umso mehr, dass das Hochwasser endlich mal Pause macht und wir dich hier bei uns im Podcast sprechen können! Mal eine allgemeine Einstiegsfrage: Was für Personen engagieren sich denn so bei Medical Service NRW?

Ruland: Abgesehen von unserer Jugendgruppe, die wir auch haben, haben wir Kollegen, die im Rettungsdienst sonst tätig sind, Krankentransport oder in der Pflege, die hier nebenbei dann auch gerne dazu beitragen möchten, ja, andere Aufgaben zu machen.

Schmitz: Und alles ist ehrenamtlich?

Ruland: Genau! Wir arbeiten komplett rein ehrenamtlich.

Schmitz: So wie ich von dir weiß, seid ihr sehr stark engagiert, z. B. im Ahrtal. Wie finanziert ihr eure Arbeiten?

Ruland: Grundsätzlich arbeiten wir ehrenamtlich und sind deswegen auch immer drauf angewiesen auf Unterstützer und Spender, die unsere Arbeit unterstützen möchten und können. Und das ist auch das, wo wir uns dann mit finanzieren.

Schmitz: Blicken wir mal auf Mitte Juli zurück: Stark- und Dauerregen in Rheinland-Pfalz insbesondere in der Region ums Ahrtal. Über 200 Hektar wurden überflutet. Das sind mehr als 200 Fußballfelder. Die Handynetze und Telefonanschlüsse waren zu dem Zeitpunkt vor Ort durch das Hochwasser stillgelegt. Auf welchem Weg hat das Team von Medical Service NRW von der Katastrophe erfahren?

Ruland: Also wir sind grundsätzlich, wie glaube ich alle erst mal durch die Medien aufmerksam gemacht worden, was gerade passiert. Wir überlegen seit längerer Zeit eine Zusammenarbeit mit der Feuerwehr in Neuwied, die dann in Ahrweiler selbst im Einsatz war und wo dann der Kontakt zustande kam, ob wir mit dem Sanitätsdienst dort unterstützen, in dem Einsatzabschnitt, was wir dann auch eine Woche gemacht haben. Im Anschluss sind wir dann angefragt worden, hier nach Kreuzberg zu kommen, durch eine Helfergemeinschaft, wo wir jetzt auch seit fünf Wochen im Einsatz sind.

Schmitz: Beschreibe doch bitte euren Einsatzort. Welche Hilfsorganisationen sind aktuell noch neben dem Medical Service NRW im Landkreis Ahrweiler engagiert?

Ruland: Ja, wie gerade schon gesagt… Wir sind in Kreuzberg im Einsatz. Das ist ein sehr zerstörter Ort, der auch wirklich stark von der Flut getroffen wurde, nicht nur durch die Ahr, sondern auch noch durch einen kleinen Bach, der hier lang fließt. Der ist normalerweise glaube ich 30 Zentimeter hoch und hat an dem Tag acht Meter erreicht, durch das Wasser von der Ahr. Anfangs waren alle Hilfsorganisationen mehr oder weniger hier im Ort vertreten: DRK, Malteser, THW, Bundeswehr. Das ist jetzt mittlerweile stark zurückgefahren und das ist hier durch die Malteser etwas weiter für uns noch eine Unfallhilfsstelle gibt, die bis 19 Uhr besetzt ist und wir die einzige 24-Stunden besetzte Unfallhilfsstelle hier im Landkreis sind aktuell noch.

Schmitz: Welche Notfälle habt ihr zu bewältigen?

Ruland: Also, es gibt natürlich sehr viele kleine Sachen, viele Helfer, die z. B. kommen, wenn sie sich den Aufräumarbeiten verletzten: Schnitt-, Schürfwunden etc.  In der Tat waren auch Notfälle dabei: Herzinfarkt, Kopfverletzung, Frakturen. Bei Aufräumarbeiten ist hier ein Bagger umgestürzt auf eine Hochspannungsleitung. Also hier passieren doch recht viele Dinge.

Schmitz: Wie sieht denn die Belastung von euren Hilfskräften aus?

Ruland: Also gerade am Anfang war die Belastung sehr hoch, weil das auch für uns eine komplett neue Situation war, die, glaube ich, so noch kein Mensch erlebt hat. Gerade bei den Rundgängen, die die Kollegen durch den Ort gemacht haben, sodass auch die Leute einem erzählen, was denen passiert ist, was auch nicht gerade einfach ist, wenn man das hört. Aber auch so dieses ganze Umfeld zu erleben ist natürlich auch eine Belastung für einen selber.

Schmitz: Welche Art von Belastung meinst du hier?

Ruland: Also z. B. sind hier auf dem Platz, wo wir sind, der ist ein bisschen hergerichtet worden für uns. Da hat man Knochenteile vom Friedhof hier noch jede Menge gefunden. Dann sind natürlich auch noch Fotos gefunden worden, hier vom näheren Umkreis, dass Hilfskräfte, wo auch ein Kollege von uns einmal leider dabei war. Alles Sachen, die sind natürlich, da muss man mit zurechtkommen.

Schmitz: Dennis, vielen Dank dafür! Im Ahrtal wurde die komplette Infrastruktur zerstört. Das Hochwasser hat sehr viel weggespült, unter anderem auch essenzielle Rettungsmittel. Wie organisiert man Lebensrettung unter den schwierigen aktuellen Bedingungen?

Ruland: Dies ist teilweise schwierig. Die Rettungswache hier bei uns in Altenburg, die ist nicht mehr vorhanden. Die Feuerwache hier ist komplett zerstört worden. Und da muss man sagen, die haben Fahrzeuge gespendet bekommen, die sind wieder einsatzbereit, aber die Rettungswege selbst nicht. Das heißt, die Rettungsmittel haben mal einen deutlich längeren Anfahrtsweg hier runter. Allein noch durch die kaputten Straßen, z. B. dem Herzinfarkt ist eine notärztliche Versorgung nur noch durch die Luft möglich gewesen oder auch bis jetzt nur durch die Luft möglich.

Schmitz: Wie sieht es aktuell mit Defibrillatoren im Ahrtal aus? Gibt es Situationen, wo du dir einen hier gewünscht hättest?

Ruland: Also es gab wohl eine Situation, die wir durch die Kollegen der Feuerwehr erfahren haben, dass gerade in der ersten akuten Lage hier jemand wiederbelebt werden musste und eigentlich kein Defibrillator zur Verfügung stand. Ich weiß gar nicht, wo genau jetzt hier welche waren, aber das bedeutet, dass die nicht mehr vorhanden sind, da glaube ich wäre an der ein oder anderen Stelle ein Defibrillator wirklich gut eingesetzt gewesen.

Schmitz: Wie wichtig wäre aus deiner Sicht, dass mehr lokale Defibrillatoren zu Lebensrettung vorhanden sind?

Ruland: Also ich denke, es ist schon sehr wichtig, dass man schaut, dass die Ortschaften wieder mit Defibrillatoren ausgestattet werden. Wir haben netterweise von euch einen zur Verfügung gestellt bekommen. Der jetzt natürlich auch hier für den Ort zur Verfügung steht. Aber ich denke allgemein… Die Umgebung müsste noch besser damit ausgestattet werden.

Schmitz: Ich kann mir das nicht so richtig vorstellen. Also gibt es denn noch Straßen, Wege, Verbindungslinien? Man muss ja eigentlich dann auch schnell zum Notfall kommen können. Das ist alles eigentlich so nicht mehr gegeben, oder?

Ruland: Also die Straßen sind wieder aufgeschüttet worden, dass alle Straßen befahren werden können, aber gerade in den ersten Wochen war das natürlich schwierig. Ich weiß von einem Ort, der etwas weiter hier weg liegt, der ist das sehr spät erreichbar gewesen, weil einfach die Zufahrten nicht da waren. Mittlerweile hat man die Straßen so weit zumindest aufgeschüttet, dass diese befahrbar sind. Aber wie gesagt sehr schwierig, teilweise noch.

Schmitz: Welche weiteren unterstützende Leistungen werden aktuell benötigt, aus deiner Sicht?

Ruland: So hier im Ort auf jeden Fall. Auch in den umliegenden Orten sind immer noch Helfer vonnöten. Da bekommt manchmal Anfragen: „Brauchen die Leute die Möbel?“ Davon ist man hier ehrlich gesagt noch weit entfernt, weil die Entkernung läuft teilweise noch. Das ist echt schwer vorstellbar nach so langer Zeit. Die Zerstörung war hier wirklich sehr groß. Also Helfer werden hier immer weiter gebraucht. Für uns, kann ich sagen, wir sind dringend auf der Suche nach Containern, weil es wird sehr kalt nachts in unseren Zelten. Das gestaltet sich auch alles leider ein bisschen schwierig. Aber das sind alles so Sachen, wo im Moment auf jeden Fall noch weiter Hilfe gebraucht wird.

Schmitz: Durch die Klimaerwärmung werden weitere Stark- und Dauerregen erwartet. Würdest du empfehlen, dass einzelne Regionen mit mehr Laien-Defibrillatoren ausgestattet werden?

Ruland: Also ich sag mal, ich kann jetzt nicht sagen, wie viele es hier vorher gab. Aber ich denke, grundsätzlich sollte man sowieso darauf achten, dass Defibrillatoren überall gut vorhanden sind, weil sie einfach zu Lebensrettung beitragen und gerade hier in den Umgebungen, was man weiß, ist viel zerstört worden deswegen denke ich, dass die Defibrillatoren, die wahrscheinlich vorhanden waren, nicht mehr da und da sollte man doch definitiv wieder damit ausrüsten.

Schmitz: Wer sich über das Thema informieren möchte, der kann dies über unsere Webseite tun https://jedeminute.de oder uns eine E-Mail schicken unter: info@mecontor.com und eine Frage stellen oder Sie rufen uns einfach persönlich an unter: 0 800 5 700-800.
Dennis vielen Dank für die Zeit, die du hier für uns genommen hast. Es war sehr interessant auch mal hinter die Kulissen dieser Ahrtal-Katastrophen-Situation zu blicken. Ich wünsche dem Team von Medical Service NRW wirklich guten Mut und Kraft da weiter so zu machen und hier auch den Anwohnerinnen und Anwohnern im Ahrtal und allen Helferinnen und Helfern, dass das Katastrophengebiet bald wieder bewohnbar wird und dass ihr alle da du gut durchkommt.

Ruland: Ja, vielen Dank!


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