ZOLL AED Plus im Notfalleinsatz

Produktbesprechung ZOLL AED Plus

Defi-Talk Logo. Oranger Hintergrund. Zwei Männer sitzen sich gegenüber, Sprechblasen zeigen einmal ein Piktogramm eines Defibrillators und einmal ein Piktogramm einer Wiederbelebungsszene mit Defibrillator.

 

Defi-Talk Folge 12: Produktbesprechung ZOLL AED Plus — zu Gast: Norbert Sevens

Thema der Folge: In unserer heutigen Folge beschäftigen wir uns mit dem Zoll

 AED plus von ZOLL Medical Deutschland.

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Zusammenfassung des Gesprächs

Schmitz: Herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Defi-Talk.

In unserer heutigen Folge beschäftigen wir uns mit dem Zoll AED plus von ZOLL Medical. Unser heutiger Experte ist Deployment Manager beim Hersteller ZOLL Medical und kümmert sich um die Produkteinweisungen und Schulungen von medizintechnischen Geräten für ZOLL Medical Deutschland und Österreich.

ZOLL AED Plus Defibrillator seitlich

Herzlich Willkommen Herr Sevens!

Sevens: Hallo, Herr Schmitz!

Schmitz: Herr Sevens, sind Sie bereits selbst mit dem Plötzlichen Herztod in Ihrem persönlichen Umfeld in Berührung gekommen?

Sevens: Ich komme aus dem medizinischen Bereich und habe zunächst als Zivildienstleistender beim Roten Kreuz in Düsseldorf angefangen und bin da schon mit dem plötzlichen Herztod konfrontiert worden. Danach habe ich mich entschieden in der Klinik zuarbeiten, im wesentlichen auf der Intensivstation. Das bedingt natürlich, dass man täglich mit dem plötzlichen Herztod konfrontiert wird.

Entwicklungsgeschichte vom ZOLL AED Plus

Schmitz: Herr Sevens, wofür steht ZOLL Medical? Wie kam es eigentlich zum Unternehmensnamen? Wie kam es zur Entwicklung der AEDs bei ZOLL?

Sevens: Dass sind sehr häufig gestellte Fragen insbesondere von deutschen Kunden. Mit dem Namen ZOLL wird auch der der ZOLL an der Grenze assoziiert, weshalb wir uns häufig als der blaue ZOLL und nicht als der grüne ZOLL bezeichnen.

ZOLL selbst war Professor an der Harvard University und hat dort als Professor der Medizin gearbeitet. Sein Interesse an der Notfallmedizin begann, als er noch als Chirurg tätig war und nicht als Internist. Dadurch dass er im Weltkrieg viel am Herzen operiert hat und Schussverletzungen behandelt hat, entwickelte sich sein Interesse am Herzen und vor allem an der Elektrophysiologie, d.h. den Abläufen des Herzes.

Er hat dann aus seinen Erkenntnissen 1952 den externen Herzschrittmacher entwickelt. Die Schrittmacher Technologie beruht darauf, die Herzfrequenz eines Herzens anzuheben, wenn es langsamer oder ungleichmäßig schlägt. Es wird Strom eingesetzt, um das Herz zu stimulieren und so das Herz wieder auf die Geschwindigkeit zu bekommen, beim Erwachsenen 70 bis 80 Schlägen pro Minute.

Ursprünglich führte man die Technologie mit Nadeln durch und im späteren Verlauf der Forschung wurden Elektroden entwickelt, die man auf die Haut kleben kann. So macht man es heute noch, um mit Elektroden und Stromimpulsen das Herz entsprechend anzuregen. Das Gerät für Kinder oder Erwachsenen eingestellt werden. Darauf hat er ein Patent bekommen und weiter geforscht. Er war der erste Mediziner, der damals im klinischen Bereich erfolgreich die externe Defibrillation durchgeführt hat. 1964 kam es zur Entwicklung des implantierbaren Schrittmachers.

Die ganzen Erkenntnisse führten dazu, dass er zusammen mit Mitstreitern erfolgreich die Firma ZOLL Medical gegründet hat. Über verschiedene Entwürfe und Geräte haben wir dann 1988 die ersten kommerziellen externen Schrittmacher und Defibrillator Kombination entwickelt. Die nächsten 10 Jahre waren mit Produktweiterentwicklung verbunden und 1999 haben wir dann einen biphasischen Defibrillationsimpuls entwickelt, was damals sehr bahnbrechend war. Davor wurden Defibrillationen mit einem monphasischen Defibrillationsimpuls durchgeführt, d.h. dieser umfasste nur eine Phase. Der biphasische Defibrillationsimpuls hat hingegen zwei Phasen. Der biphasische Defibrillationsimpuls wurde von ZOLL MEDICAL patentiert, so dass wir der einzige Hersteller auf dem Markt waren, der über einen Impuls für die externe Anwendung verfügte.

Wir haben dann beim AED Plus zwei Dinge zusammengeführt und einen neuen AED Typ auf den Markt gebracht. Dieser konnte nicht nur Schocken. Mittels eines Sensors, welcher auf die Brust gelegt wird und wird der Ersthelfer unterstützt eine qualitative Herzdruckmassage durchzuführen. Der Anwender erhält während der Reanimation ein Feedback vom Gerät. Er kann genau sehen was er tut und erhält eine Anweisung wie die Herzdruckmassage ausgeführt werden soll. So gibt das Gerät einem ein Feedback darüber: Wie tief man drückt, wie schnell man drückt und korrigiert auch den Anwender. Aufgrund dessen hat man es geschafft, mithilfe von Feedback auch Laien zu befähigen, eine qualitative hochwertige Wiederbelebung durchzuführen.

Schmitz: Also war ZOLL für zwei wegweisende Innovationen verantwortlich. Zum einen war ZOLL der Entwickler für die effektivere biphasische Defibrillation und zum anderen Entwickler des Feedback zur Reanimation gibt.

Das Prinzip eines Feedbacksystem ist einleuchtend. Woher soll ein Laie denn wissen, ob er die richtige Drucktiefe hat, wenn die Herzdruckmassage nicht gemessen wird und er kein Feedback erhält?

Sevens: Der  AED plus war und ist meinem Empfinden nach noch heute ein Komplettsystem. Der AED Plus ist von seiner Formgebung und von seiner Farbgebung her etwas, dass ein System darstellt. Die Farbgebung ist sehr ungewöhnlich, es ist ein auffälliges Gerät, welches in Lemon Green gehalten ist und somit auf allen Untergründen gut sichtbar ist. Die Beschriftung „AED“ ist auch ganz klar zu identifizieren. Der Deckel vom AED Plus ist gleichzeitig auch eine Atemwegunterstützung. Den Deckel legt man unter den Kopf des Patienten. Dadurch wird der Kopf überstreckt. Es ist nun leichter eine Mund-zu-Mund Beatmung durchzuführen und die Atemwege bleiben frei.

ZOLL AED Plus offen
ZOLL AED Plus offen

Den Ablauf der Wiederbelebung haben wir in Form von prägnanten Bildern dargestellt. Somit haben auch Person, die nicht lesen können, keine Probleme, den Defibrillator zu benutzten. Der Zyklus ist wie folgt dargestellt: Atemwege freihalten – Bewusstsein prüfen – Notruf veranlassen – Elektroden aufkleben – defibrillieren und die Wiederbelebung durchzuführen, mit der entsprechenden Maßgabe 30 Kompressionen und 2x Beatmung und nach zwei Minuten geht er automatisch in die Analyse.

Was wir auch noch gemacht haben, ist zu der Elektrode zusätzlich Handschuhe, eine Schere, eine Beatmungsfolie, ein Tuch und einen Rasierer beizulegen. Bei der Elektrode handelt es sich um eine einteilige Elektrode in einer sogenannten Z-Form, die für den Anwender sehr einfach appliziert werden kann, mittels Piktogramme.

Auch handelt es sich hierbei um ein System mit entsprechend auf dem Markt frei verfügbaren Batterien, die den Betreiber oder Anwender von uns unabhängig machen sollten. Nichts destotrotz sind die Batterien leistungsfähig.

Schmitz: Wie ist die Schocktechnologie aufgebaut?

Sevens: Wir bekommen häufig die Frage: Was ist eigentlich Defibrillation und das führt auch in Fachkreisen immer wieder zu Diskussionen.

Defibrillation ist die Abgabe eines elektrischen Impulses auf den Brustkorb. Dieser Impuls, der abgegeben wird, braucht natürlich eine entsprechende Energie, um zum Herzen durchzudringen. Letztendlich ist aber nicht die Energie das was defibrilliert, sondern der Strom, der durch das Herz und alle Herzmuskelzellen fließt. Jede Herzmuskelzelle kann zu einem Störfaktor werden, da das Herz ein autonomes Organ ist. Mit dem Strom werden diese Störfaktoren ausgeschaltet, dazu benötigt der AED Energie.

Bei der Entwicklung des biphasischen Rechteckimpuls von ZOLL wurde besonders berücksichtig, dass die zu defibrillierenden Menschen, sich in einer besonders empfindlichen Situation befinden.  Es geht Ihnen nicht gut. Richten wir dann noch eine hohe Energie auf das Herz, wird dieses unter Umständen nochmal sehr stark negativ beeinflusst.

Aufgrund dessen war die Überlegung damals, nur so viel Energie wie notwendig zu benutzten und den Strom letztendlich an die entsprechende Situation anzupassen. Dem Patienten werden Elektroden aufgeklebt und bevor defibrilliert wird, der Widerstand des Brustkorbs gemessen, um dann die entsprechende Energie anzufordern. Der angepasste Strom wird dann in einer bestimmten Zeit, die egal ob es sich um einen dicken oder dünnen Patienten handelt, konstant abgegeben. Die Stromabgabe erfolgt in zwei Phasen. Die erste ist die Hauptphase, hier geht der Strom vom oberen Brustkorb nach hinten zum Brustkorb und kommt dann wieder nach oben zurück.

Die alte Form der Defibrillation, die monophasische Defibrillation spielt heute keine Rolle mehr, da man weiß, dass die biphasische Defibrillation sehr viel effektiver ist. Eigentlich verfügen heute alle Geräte egal ob Laien AED oder professioneller Defibrillator über eine biphasische Defibrillation.

Schmitz: Lässt sich der AED Plus auch bei Kindern anwenden?

Sevens: Ja, die pädiatrischen Herausforderungen sind genauso gegeben. Kinder sind nur seltener als Erwachsene von einem plötzlichen Herztod betroffen.

Der AED ist natürlich nicht nur ein Gerät für Erwachsene, sondern auch ein Gerät für Kinder (bis 8 Jahre, unter 25 kg). Bei Kindern kann ich schlecht mit der gleichen Herangehensweise vorgehen wie bei Erwachsenen, denn Kinder haben einen kleineren Brustkorb und einen geringeren Widerstand, was das Gerät erkennen muss. Dazu werden Kinderelektroden verwendet.

Bei Anwendung der Kinderelektroden werden wie beim Erwachsenen der Brustkorb Widerstand gemessen und dann die entsprechende kindgerechte Energie bereitgestellt. So dass der Strom durch die Widerstandsmessung ans Kind angepasst ist. Der AED erkennt die kindliche Herzrhythmusstörung und interpretiert diese auch richtig. Denn ZOLL hat die Analyse auf kindlichen EKGs begonnen und nicht auf Erwachsenen EKGs. Dass heißt, ein Erwachsener hat andere Entscheidungskriterien im Hintergrund als die Analyse bei einem Kind. Durch den Einsatz der Kinderelektrode, wird alles was es zur Analyse und zur Defibrillation kindgerecht angepasst.

HOHE ZUVERLÄSSIGKEIT UND ROBUSTE QUALITÄT


Schmitz: Können Sie bitte genauer erklären, wie robust der AED Plus ist und welche Einsatzmöglichkeiten sich dadurch ergeben?

Sevens: Ein Kriterium damals war, dass man überhaupt nicht weiß, wo das Gerät zum Einsatz kommt. Das kann in einem Bahnhof sein, aber auch auf einem Schiff, in einem Bergwerk oder auf einem Berg. Das Gerät muss sowohl in tiefen als auch in hohen Umgebungen funktionieren, sowie bei starken Staub- und Wasserbedingungen. Der AED muss somit eine hohe Festigkeit gegen Partikel, also Feinstaub und Staub sowie gegen Wasser haben. Bei einem Patienten, der im Wasser liegt, muss immer beachtet werden, dass man diesen isoliert, z.B. durch eine Isolationsmatte. Diese legt man unter den Körper und trocknet dann den Brustkorb ab. Grundsätzlich ist das Gerät in allen extremen Situationen einsetzbar und erfüllt auch Militärstandards.

Schmitz: Empfehlen Sie den ZOLL AED Plus als Voll- oder als Halbautomat?

Sevens: Die Philosophie ist landesspezifisch, die deutschen Kunden schätzen die Halbautomaten, wo Sie vom Gerät eine Empfehlung bekommen und die Schocktaste selbst drücken müssen.

In Frankreich spielten in den vergangenen Jahren die automatischen AEDs eine Rolle, die den Nutzer vorwarnen, das der Schock in drei Sekunden abgegeben wird und den Nutzer informieren sich vom Gerät zu entfernen, wenn der Schock abgegeben wird.

Beim halbautomatischen hat der Anwender noch die Möglichkeit Ordnung zu schaffen d.h. zu schauen ob ich noch zu nah am Gerät dran bin, beim automatischen macht das Gerät das und man hat quasi drei Sekunden Zeit sich vom Gerät zu entfernen bevor ein Schock automatisch abgegeben wird.

Ich persönlich mag lieber die Variante, wo man selbst die Möglichkeit hat, den Schock zu drücken. Aber es gibt bestimmte Bereiche und Anwender wo die vollautomatische Variante die bessere Entscheidung wäre.

Schmitz: 95 % unserer Kunden kaufen den Vollautomaten. Das liegt denke ich daran, dass die Anwender nicht mehr nur aus dem professionellen Bereich kommen, sondern auch Laien, die es zu Schätzen wissen, dass ein Gerät die Verantwortung übernimmt.

Sevens: Es gibt drei Bereiche, die man da unterscheiden sollte. Den öffentlichen Bereich, wo meistens Vollautomaten besser sind, einzusetzen. Dann den klinischen Bereich, wo es gefordert ist, die Taste aus bestimmten Gründen zu drücken.

Schmitz: Der ZOLL AED Plus gilt als besonders wirtschaftlich. Was trägt zur Wirtschaftlichkeit des ZOLL AED Plus bei?

Sevens: Es sind drei Dinge, die uns sehr wichtig waren. Das Gerät muss über einen langen Zeitraum die Möglichkeit bieten, geringe Kosten beim Betreiber aufzuwerfen. Die Batterien müssen eine lange Haltbarkeit haben, also min. 10 Jahre haltbar sein, auslaufsicher und das Gerät für min. 5 Jahre mit Stromversorgen können. Auch wollten wir eine Elektrode haben, die 5 Jahre einsatzbereit ist.

Schmitz: Wo sehen Sie die Einsatzbereiche für den ZOLL AED Plus?

Sevens: Wir haben den Einsatzbereich Rettungsdienst, sowie immer mehr Kliniken, die den AED im stationären Bereich einsetzten und dann noch der öffentliche Bereich.

Schmitz: Lieber Herr Sevens, ich bedanke mich ganz herzlich bei Dir für das interessante Fachgespräch und wünsche Ihnen einen schönen Abend.

Sevens: Vielen Dank, Herr Schmitz!

Weitere Informationen zum ZOLL AED Plus erhalten Sie auf unserer Webseite jedeminute oder auf der Seite von ZOLL Medical Deutschland.

Sie können natürliche uns auch gerne persönlich und direkt anrufen unter 0800 5 700 800 oder schicken Sie uns einfach eine Mail unter info@mekontor.com.

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ZOLL AED Plus Defibrillator mit Feedbackelektrode
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