AED als Vorsorge im Privaten und Beruflichen


Defi-Talk Logo. Oranger Hintergrund. Zwei Männer sitzen sich gegenüber, Sprechblasen zeigen einmal ein Piktogramm eines Defibrillators und einmal ein Piktogramm einer Wiederbelebungsszene mit Defibrillator.

Defi-Talk Folge 6: Plötzlich herzkrank – AED als private und betriebliche Vorsorge? zu Gast: Thomas Lach

Thema der Folge: Der plötzliche Herztod kann jeden treffen. Thomas Lach hat diese Erfahrung bereits machen müssen: Es traf seine Frau an einem gewöhnlichen Samstagabend. Dank des schnellen Handels ihrer Tochter, konnte ihr Leben gerettet werden. Seitdem ist Familie Lach für das Thema sensibilisiert, hat mehrere Notfalltrainings gemacht und einen AED Defibrillator für ihr Zuhause angeschafft. Herr Lach hat außerdem seinen Betrieb herzsicher gemacht: regelmäßige Erste-Hilfe-Trainings und ein frei zugänglicher AED garantieren jetzt die Sicherheit seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Im Gespräch mit Achim Schmitz erzählt er, wie wichtig ein herzsicheres Umfeld ist. Sein Wunsch: Mehr Aufmerksamkeit in der Gesellschaft für das Thema plötzlicher Herztod und Wiederbelebung.

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Zusammenfassung des Gesprächs

Schmitz: Herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Defi-Talk. Unser heutiges Thema ist: Plötzlich herzkrank – Wie treffe ich Vorsorge im privaten und beruflichen Umfeld?

Ich freue mich auf meinen heutigen Gast den ich als engagierte Menschen und Unternehmer kennengelernt habe. Thomas Lach ist verheirateter Familienvater und Unternehmer. Er führt eine moderne Marketingagentur in Mönchengladbach.

Herr Lach hat durch ein dramatisches Ereignis erfahren müssen, wie wichtig es ist für einen herzbedingten Notfall vorzusorgen. Lieber Herr Lach, erst einmal herzlich willkommen bei Defi-Talk!

Lach: Hallo und vielen Dank für die Einladung!

Schmitz: Können Sie unseren Hörerinnen und Hörern von diesem Ereignis erzählen? Was genau ist passiert?

Lach: Mittlerweile ist es zwei Jahre her. An einem Samstagabend im Januar 2019 wollte meine Frau vom Sofa aufstehen und ins Bett gehen, als sie plötzlich umfiel: Das Herz war stehen geblieben. Mit 51 Jahren natürlich viel zu früh. Unsere älteste Tochter, die dabei war, konnte nur noch spontan agieren und hat spontan das Richtige getan: eine Herzdruckmassage.

Die Notärzte haben sie dann ins Krankenhaus gebracht, wo sie auch in den frühen Morgenstunden operiert wurden und einen Herzschrittmacher bekommen hat. Das war insgesamt ein Ereignis, das ich so nicht nochmal erleben will.

Schmitz: Wenn Sie nochmal zurückschauen, wie haben Sie diese Rettung erlebt? Wie haben Sie sich selber bald dabei gefühlt?

Lach: Im Grunde stand ich hilflos daneben. Ich habe mich im Nachhinein sehr über das couragierte Eingreifen meiner Tochter gewundert, weil das nicht so zu ihrem Charakter passte. Das war aber natürlich ihre Mutter. Da hat sie ad-hoc reagiert.

Wenn ich mit Abstand darüber nachdenke, werde ich mit einem Thema konfrontiert, mit dem man sich eigentlich nie beschäftigt. Man hat davon gehört, hat den ein oder anderen schon getroffen, aber wenn es im unmittelbaren Umfeld passiert, dann sensibilisiert das unglaublich.

Das hat ja auch zu diversen Schritten geführt, mit denen wir dann unser Umfeld verändert haben.

Schmitz: Was war denn der Schlüssel dazu, dass Ihre Frau tatsächlich gerettet werden konnte?

Lach: Der Schlüssel war sicherlich die Spontanität, dass intuitiv das Richtige gemacht wurde. Wir haben uns später als Familie nochmal mit dem Thema beschäftigt und haben einen Notfallkurs gemacht, weil

man sich auf das Wissen aus dem Erste-Hilfe-Kurs für den Führerschein einfach nicht verlassen kann.

Wir haben da nochmal gelernt, wie viel Selbstüberwindung es braucht einem Menschen, der Hilfe braucht, den Brustkorb so tief einzudrücken, dass es effektiv ist. Unsere Tochter hat das mit 22 Jahren intuitiv richtig gemacht – das hat selbst der Notarzt sehr wohlwollend angemerkt.

Ich habe dann sehr, sehr intensiv über dieses Thema nachgedacht und auch überlegt, warum eigentlicheine so hohe Uninformiertheit in der Bevölkerung zu diesem Thema herrscht, denn wir haben es am eigenen Leib erfahren, es kann jeden treffen, wie ein Blitz aus heiterem Himmel.

Schmitz: Im Prinzip ist man gar nicht auf einen solchen Fall vorbereitet. Man selber fühlt sich ein Stück weit unverletzbar und man will diesen unangenehmen Gedanken gerne zur Seite schieben. Ich fände es toll, wenn das Thema mehr Aufmerksamkeit bekäme.

Sie haben gesagt, dass Sie erst einmal ein Notfalltraining gemeinsam mit Ihrer Familie gemacht haben. Das finde ich spannende. Wie kam es dazu?

Lach: Als meine Frau den Herzschrittmacher bekommen hatte, fragte Sie mich an dem Sonntagmorgen ganz vorwurfsvoll, was sie denn im Krankenhaus machen würde. Sie hatte von dem ganzen Ereignis nichts mitbekommen.

Der behandelnde Kardiologe hat ihr dann sehr ernsthaft erklärt, was da passiert ist. Und mir hat er plausibel gemacht, dass das ganz toll war, was unsere Tochter da geleistet hat, aber dass es nicht so toll war, dass wir anderen das nicht gekonnt hätten. Er hat schon gemerkt, dass wir mehr oder weniger hilflos danebenstanden.

Das hat mich dann dazu bewegt, dass ich gesagt habe, wenn so etwas nochmal passiert, will ich vorbereitet sein. Denn sowas kann in meinem Umfeld jedem passieren – das kann mir passieren, das kann in der Firma einem Mitarbeiter passieren. Ich finde das muss ich einfach können.

Das war eben der Auslöser, dass der Professor, bei dem meine Frau seitdem in Behandlung ist, ein Notfalltraining für uns organisiert hat, das speziell auf dieses Thema abgezielt hat. Das macht sicherer. Ich hoffe, ich muss es nie tun, aber wenn ich es tun muss, dann kann ich es jetzt.

Wir haben das tatsächlich auch jetzt, da Corona ja eine gute Gelegenheit ist, wo man nicht zwingend so viel zu tun hatte, im Herbst aufgefrischt.

Schmitz: Das ist super. Ich glaube auch man muss sowas wiederholen. Es ist nicht damit getan sich einmal damit zu beschäftigen und das Thema dann wieder zu verdrängen.

Aber sie haben noch mehr gemacht. Sie haben auch zwei Defibrillatoren bei uns beschafft.

Lach: Es war nach dieser Operation relativ klar, dass der Herzschrittmacher helfen wird das kardiologische Problem, das meine Frau hat, weitgehend aufzulösen – heute wissen wir, dass es sich sogar verbessert hat. Sie wird das Ding natürlich nie loswerden, aber das hat mich damals dazu gebracht, dass ich bei ihnen, bei ihrer Mitarbeiterin, zwei tolle AED Geräte gekauft habe. Eins hängt hier in unserer Firma fest installiert und eins haben wir als mobiles Gerät bei uns zuhause.

Das nehmen wir auch mit, wenn wir unterwegs sind, wenn wir in den Urlaub fahren, aber auch wenn meine Frau auf Geschäftsreisen ist. Dieses kleine mobile Gerät mitzunehmen ist kein Aufwand und wir wissen, dass wir da ein ganz großes Stück Sicherheit dabeihaben. Daran haben wir uns gewöhnt.

Das war eine Geldausgabe für mich, die ich nie bereut habe und über die ich dann nie wieder nachgedacht habe.

Wir haben die Geräte auch in der Defi-App registriert. So kann jeder von draußen sehen, dass bei uns ein AED hängt, den jeder benutzen kann, falls etwas passiert.

Hören Sie sich Defi-Talk Folge 2 an, um mehr über die Defi-App zu erfahren! Die App Defikataster gibt es für Android und iOS.

Schmitz: Das ist absolut wichtig. AEDs müssen frei zugänglich sein, damit sie im Notfall Leben retten können.

Bei dem AED, für den Sie sich entschieden haben, handelt es sich ja um ein Gerät, das mehr kann als nur schocken. Sie haben ein Gerät mit Feedback System, was Sie bei der Herz-Lungen-Wiederbelebung unterstützt. Dazu haben Sie auch ein aktives Training gemacht, können Sie uns davon erzählen?

Lach: Das war erst einmal absolutes Neuland, wo ich mit außerordentlich viel Respekt dran gegangen bin. Viele Dinge habe ich mich überhaupt nicht getraut.

Wenn Sie sich zurückversetzen, als sie ihren Führerschein gemacht haben und diese Erste-Hilfe-Prüfung ablegen mussten, da war das ein langweiliger Samstagnachmittag, der sein musste. Was man in diesem Training eigentlich lernt, ist einem in dem Moment überhaupt nicht richtig bewusst. Das wurde mir dann erst bewusst als wir den Notfallkurs gemacht haben, der dann doch nachhaltiger gewirkt hat.

Dadurch haben wir, und vor allem auch unsere zwei anderen Töchter, ein tiefes Verständnis für die Materie erlangt und fühlen uns insgesamt sicherer, vor allem auch im Umgang mit dem kardiologischen Befund meiner Frau. Hier brauchten wir vor allem aber auch Geduld, da es ein halbes Jahr gedauert hat, bis man herausgefunden hat, was genau die kardiologische Ursache für den plötzlichen Herzstillstand damals war.

Schmitz: Wie ist das Thema dann in Ihrem Betrieb aufgenommen worden?

Lach: Naja, meine Frau ist Mitgesellschafterin und natürlich wurden hier alle sehr hellhörig. Die Mitarbeiter haben sich gefragt, was da passiert ist und ob das einfach jedem passieren kann.

Jetzt hängt hier ein AED Gerät an der Wand und die Mitarbeiter sind dafür sehr sensibilisiert. Das werden wir bald auch in einer Trainingssituation vertiefen, damit, sollte hier so etwas passieren, eine Wiederbelebung vernünftig funktionieren kann.

Schmitz: Was raten Sie unseren Hörerinnen und Hörern, die in einer ähnlichen Situation sind oder die sich auf eine solche Situation bestmöglich vorbereiten möchten?

Lach: Wir beide haben ja mal vor einiger Zeit darüber philosophiert, warum es in einer Gesellschaft wie der deutschen kaum Aufmerksamkeit für ein so wichtiges Thema gibt. Ich kann jedem nur raten, sich zu diesem Thema zu informieren und sich damit einfach mal eine halbe Stunde auseinanderzusetzen, um zu begreifen, was man tun muss, wenn so ein Fall eintritt.

Wie gesagt, ich habe gelernt, dass er von jetzt auf gleich eintreten kann und ich muss ehrlich zugeben: Ich, und niemand in meinem Umfeld, war darauf wirklich vorbereitet. Trotzdem ist es zum Glück gutgegangen.

Ich habe bei mir eine hohe Uninformiertheit festgestellt und es ist eigentlich relativ simpel sich in dieses Thema mal grob einzulesen, damit man ungefähr eine Idee hat, was man machen muss.

Wenn man dann das Glück hat auf ein AED Gerät zurückgreifen zu können, dann ist das ganze Thema gut in den Griff zu kriegen.

Ich habe ja vorher gar nicht gewusst, Herr Schmitz, was so ein kleines Gerät alles kann. Sie haben mich damals extrem überrascht. Ich hatte immer die Vorstellung, man muss da mit zwei Elektroden jemanden schocken und am Ende macht man das falsch. Diese Angst sollte man einfach überwinden oder am besten gar nicht haben: nur nichts machen ist falsch.

Schmitz: Ich glaube besser kann man das gar nicht zusammenfassen. Ich würde mich natürlich freuen, wenn das auch eine Anregung für unsere Hörerinnen und Hörer ist, dieses Thema zu durchdenken und zu hinterfragen, ob es denn mit dem Erste-Hilfe-Kurs im Rahmen des Führerscheins getan ist.

Die meisten Notfälle passieren im privaten Umfeld und ich glaube, es ist eine unerhört gute Erfahrung vorbereitet zu sein und dann beherzt eingreifen zu können und jemandem das Leben retten zu können. Umgekehrt glaube ich wäre es ein sehr trauriges Gefühl, jemandem nicht helfen zu können in einem solchen Moment.

Lach: Ganz genau. Mich hat überrascht, wie hoch die Quote in Deutschland ist, von einem Phänomen, von dem wir gehört haben, dem wir aber nicht weiter Beachtung schenken. „Plötzlicher Herztod – ja fällt um und ist tot.“

Nein, ist er eigentlich nicht. Er ist noch zu retten in der Sekunde, in dem Moment. Das muss aber auch jemand tun können. Und dieses Thema müsste uns deshalb viel bewusster sein, weil es uns doch so nah ist und uns alle treffen kann.

Schmitz: Ich bedanke mich ganz herzlich und freue mich sehr, dass Sie sich die Zeit genommen haben unseren Hörerinnen und Hörern über dieses Thema zu berichten. Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie Gesundheit und alles Gute. Vielen lieben Dank für dieses Gespräch.

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