Wann und wie Sie Defibrillatoren anwenden sollten, um Leben zu retten

Ein automatisierter externer Defibrillator (AED) kann in Notfällen zwischen Leben und Tod entscheiden. Unser umfassender Ratgeber zeigt Ihnen, zu welchem Zeitpunkt Sie den AED einsetzen sollten und wann Sie reanimieren beziehungsweise defibrillieren sollten.

Inhaltsverzeichnis

Einen Defibrillator richtig benutzen: Das Wichtigste in Kürze 

Warum jeder über Defibrillatoren Bescheid wissen sollte

Der plötzliche Herzstillstand trifft täglich viele Menschen – und das unabhängig von Alter oder Gesundheitszustand. In Deutschland erleiden jährlich etwa 65.000 Menschen einen Herz-Kreislauf-Stillstand. Tragischerweise überlebt nur etwa jeder Zehnte der in ein Krankenhaus aufgenommenen Patienten, da lebensrettende Maßnahmen oft zu spät beginnen. Studien belegen: Jede Minute Verzögerung reduziert die Überlebenschance um etwa 10 Prozent. Kommt hingegen innerhalb von 3 Minuten ein Defibrillator zum Einsatz, steigen die Überlebenschancen eines Patienten auf 75 %. 

Genau hier zeigt sich die entscheidende Bedeutung automatisierter externer Defibrillatoren: Sie ermöglichen es Ersthelfern, diese kritische Zeit zu überbrücken, bis der Rettungsdienst eintrifft. Da diese wertvollen Minuten über Leben und Tod entscheiden können, sollten möglichst viele Menschen wissen, wann und wie AEDs im Notfall verwendet werden.

Bewusstlosigkeit & Co.: Wann Sie einen Defibrillator einsetzen sollten 

Der Einsatz eines Defibrillators kann bei einem akuten Herz-Kreislauf-Stillstand oder bei Kammerflimmern Leben retten. In solchen kritischen Situationen pumpt das Herz aufgrund schwerwiegender Rhythmusstörungen nicht mehr wirksam, wodurch die Sauerstoffversorgung des Körpers zum Erliegen kommt.

Moderne Notfallgeräte sind für Laienhelfer entwickelt worden und leiten mit klaren Sprachanweisungen durch den gesamten Rettungsvorgang. Einige sehr fortschrittliche Geräte unterstützen zusätzlich durch eine Visualisierung über Videodisplay.  Das Gerät beurteilt eigenständig, ob eine Defibrillation medizinisch notwendig ist – nur bei tatsächlich behandlungsbedürftigen Herzrhythmusstörungen wird ein Schock bereitgestellt.

Da Herzinfarkte zu den Hauptauslösern von Kreislaufstillständen zählen und auch andere Herzerkrankungen wie Arrhythmien oder strukturelle Herzschäden einen Notfall verursachen können, sollte bei bewusstlosen Personen ohne Atmung umgehend ein AED verwendet werden. 

Herz-Kreislauf-Stillstand und Kammerflimmern erkennen

Kammerflimmern ist eine besonders gefährliche Form der Herzrhythmusstörung: Das Herz schlägt unkoordiniert und sehr schnell (300- bis 800-mal statt 60- bis 80-mal pro Minute) und die Pumpfunktion des Herzens setzt aus. Dadurch werden lebenswichtige Organe wie Gehirn und Herzmuskel nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt. Der Patient bricht daher schnell zusammen, die Atmung setzt aus und er wird bewusstlos.

Herz-Kreislauf-Stillstand bedeutet, dass das Herz aufgehört hat zu schlagen und Blut durch den Körper zu pumpen. Die entscheidenden Warnzeichen sind:

Symptome, die auf eine lebensbedrohliche Herzrhythmusstörung hinweisen

Oft zeigen Betroffene schon kurze Zeit vor dem Herzstillstand Symptome, die man ernst nehmen sollte:

Treten diese Anzeichen auf, erhöht sich das Risiko eines Herzstillstands deutlich. Je früher man reagiert, umso größer ist die Überlebenschance. 

Wichtig: Wählen Sie im Zweifel immer unverzüglich den Notruf 112! Falls ein AED in der Nähe ist, können Sie ihn von einem zweiten Helfer holen lassen.

Wer darf einen Defibrillator benutzen?

Die klare Antwort lautet: Jeder darf, kann und soll einen AED anwenden. Ob Laie, Ersthelfer oder professionelle Rettungskraft – die Handhabung eines Laien- Defibrillators ist kinderleicht. Einfache Anweisungen in deutscher Sprache und Piktogramme leiten selbst Menschen ohne medizinische Vorkenntnisse sicher durch jeden Schritt.

Somit sind AEDs ideale Lebensretter für jeden öffentlichen Raum, jedes Unternehmen, jede Sportstätte und auch im privaten Haushalt.

Der richtige Zeitpunkt: Wann genau Sie den Defibrillator anwenden sollten

Entscheidend für den Erfolg der Defibrillation ist das sogenannte Therapiefenster. Hier zählt jede Minute!

Vor und nach der Verwendung eines Defibrillators sollten Sie eine kontinuierliche Herzdruckmassage (CPR) durchführen. Vermeiden Sie, die Herzdruckmassage zu unterbrechen. Sie sorgt dafür, dass trotz Herzstillstand weiterhin Blut zum Gehirn und anderen wichtigen Organen gelangt.

Wann sollte man den Defibrillator nicht anwenden? 

Auch wenn AEDs viele Fehlerquellen minimieren, gibt es Situationen, in denen Sie besser zunächst abwarten und andere Maßnahmen ergreifen.

Wann darf man nicht sofort defibrillieren?

Was tun im Zweifel: Ängste, die auch Laien nicht zurückhalten sollten

Viele Menschen zögern, weil sie denken, dass Defibrillatoren nur etwas für Profis sind. Dabei sind moderne AEDs so konzipiert, dass sie auch Laien sicher durch den Prozess führen. 

Andere meinen, ein solches Gerät sei überflüssig, weil doch nie etwas passiert. Tatsächlich kann ein Herz-Kreislauf-Stillstand überall und jederzeit eintreten: im Supermarkt, im Büro, beim Sport oder sogar zu Hause. 

Wichtig ist:

Tipp: Wenn am Einsatzort noch kein taktgebender Defibrillator vorhanden ist, dann können Sie den richtigen Rhythmus für die Herzdruckmassage finden, indem Sie an Lieder wie „Stayin’ Alive“ von den Bee Gees, „Atemlos durch die Nacht“ von Helene Fischer oder „Dancing Queen“ von ABBA denken.

Kann man mit einem Defibrillator etwas falsch machen?

Durch die automatische EKG-Analyse und die klaren Sprachanweisungen des Geräts ist ein unbegründeter Schock technisch nahezu ausgeschlossen. AEDs erlauben den Schock nur, wenn sie ein defibrillationsbedürftiges Kammerflimmern erkennen. Laien werden durch die Sprachfunktion und Visualisierungen Schritt für Schritt angeleitet. Fehler bei der Anwendung des Defibrillators werden so praktisch auf null reduziert.

Wie Sie einen Defibrillator richtig anwenden 

Laien-Defibrillatoren sind benutzerfreundlich gestaltet. Die grundlegenden Schritte lassen sich auch ohne Vorkenntnisse durchführen:

  1. Gerät einschalten
    Per Knopfdruck oder automatisch beim Öffnen der Abdeckung. Die Sprachausgabe beginnt sofort.
  2. Elektroden anbringen
  1. Herzrhythmus-Analyse
    Der AED misst automatisch den Herzrhythmus und wird Sie auffordern, die Person nicht zu berühren. Erst wenn ein defibrillationsbedürftiges Kammerflimmern erkannt wird, erteilt das Gerät die Freigabe zum Schock.
  2. Schockabgabe
    Halbautomatische AEDs verlangen das Drücken einer Schock-Taste. Vollautomatische Geräte geben den Elektroschock selbständig ab. Unmittelbar davor ertönt eine Warnung: „Nicht berühren – Schock wird abgegeben.“
  3. Fortführung der Reanimation und Defibrillation
    Nach dem Schock fordert das Gerät zur sofortigen Fortsetzung der Herzdruckmassage auf – meist für zwei Minuten im gleichmäßigen Takt, bevor die nächste Rhythmusanalyse erfolgt. Dieses Wechselspiel aus Kompressionen und automatischer Kontrolle setzt sich fort, bis der Rettungsdienst übernimmt.
  4. Übergabe an den Rettungsdienst
    Sobald Notarzt oder Rettungswagen eintreffen, berichten Sie kurz über den zeitlichen Ablauf, die Anzahl und Zeitpunkte der Schocks sowie über die Herzdruckmassage.

Tipp: Sollten mehrere Personen am Unfallort sein, teilen Sie sich auf. Eine Person setzt den Notruf ab und holt den AED, während die andere bereits mit der Herzdruckmassage beginnt. Sollten Sie alleine vor Ort sein, rufen Sie 112 und beginnen anschließend sofort die CPR-Maßnahmen (kardiopulmonale Reanimation) bzw. Herzdruckmassage.

Was passiert nach dem Schock eines Defibrillators?

Nach der Schockabgabe kontrolliert der AED die elektrische Aktivität des Herzens erneut. Ist noch kein stabiler Herzrhythmus vorhanden, fordert er zur Fortführung der Herzdruckmassage auf. Dieser Ablauf — Analyse, Schock (falls nötig), CPR — wiederholt sich im Zwei-Minuten-Takt, bis der Rettungsdienst eintrifft. Hochwertige AED-Geräte reduzieren die Unterbrechungszeiten, die durch die Analyse und Schockbereitstellung entstehen, damit die Herz-Lungen-Wiederbelebung, möglichst kontinuierlich durchgeführt werden kann. 

Professionelle Einsatzkräfte übernehmen dann weiterführende Maßnahmen wie Beatmung, Medikamentengabe oder invasive Eingriffe. Die 60 Minuten („Goldene Stunde“) unmittelbar nach einem Kreislaufstillstand sind entscheidend. Eine schnelle Reanimation und frühzeitige Verwendung eines Defibrillators senken das Risiko bleibender Schäden und erhöhen die Überlebenschancen.

Leisten Sie Erste Hilfe! Defibrillatoren retten im Notfall Leben

Ein Defibrillator kann Leben retten – aber nur, wenn er rechtzeitig und korrekt eingesetzt wird. Jede Minute zählt. Die Herzdruckmassage allein reicht spätestens ab der sechsten Minute nicht mehr aus. 

Machen Sie sich daher mit der Anwendung vertraut, merken Sie sich Standorte öffentlicher AEDs in Ihrer Umgebung und statten Sie Ihren Betrieb oder Ihren Verein mit einem eigenen Defibrillator aus. Ob Defibrillatoren Pflicht sind, lesen Sie hier. 

Die passenden AED-Geräte finden Sie in unserem Shop. Bei weiteren Fragen kontaktieren Sie uns gerne!

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