Sollte eine regelmäßige Defibrillator Wartung durchgeführt werden?

Defi-Talk Logo. Oranger Hintergrund. Zwei Männer sitzen sich gegenüber, Sprechblasen zeigen einmal ein Piktogramm eines Defibrillators und einmal ein Piktogramm einer Wiederbelebungsszene mit Defibrillator.

Defi-Talk Folge 14: Sollte eine regelmäßige Defibrillator Wartung durchgeführt werden?

Thema der Folge: Unser heutiges Thema ist die Defibrillator Wartung, die wir in Deutschland als Sicherheitstechnische Kontrolle bezeichnen.

Seit dem 01.01.2017 hat der Gesetzgeber die Defibrillator Wartung gesetzlich in der Medizinprodukte Betreiberverordnung (MPBetreibV) vorgeschrieben. § 11 verpflichtet die Betreiber von Laien Defibrillatoren, spätestens alle zwei Jahre eine Sicherheitstechnische Kontrolle durchzuführen.

 

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Zusammenfassung des Gesprächs

Schmitz: Herzlich Willkommen zu einer neuen Folge von Defi-Talk. Mein Name ist Achim Schmitz von JedeMinute. Unser heutiges Thema lautet: Sollte eine regelmäßige Defibrillator Wartung durchgeführt werden?

Lars Wöllner ist unser heutiger Gast. Lars ist Medizintechniker von MEPRO Dr. Stehr Medizintechnik GmbH in Dresden. Lars verfügt über ein sehr umfangreiches medizintechnisches Wissen. Er hat in seiner jahrelangen Tätigkeit bereits bei vielen Defibrillatoren Wartungen durchgeführt. Lars ist ein echter Sachse und bekannt für seinen trockenen Humor. MEPRO und mekontor kooperieren bereits seit einigen Jahren vor allem im Bereich Defibrillator Wartung.

Lieber Lars, herzlich willkommen zum Defi-Talk. Ich freue mich sehr, dass Du heute als unser Experte am Podcast mitwirkst.

Wöllner: Hallo Achim!

Schmitz: Lars, bist Du in Deinem Umfeld jemals mit dem Thema „Plötzlicher Herztod“ konfrontiert worden?

Wöllner: Konfrontiert werde ich damit fast täglich. Dadurch, dass ich AEDs vertreibe, werde ich fast täglich mit dem plötzlichen Herztod konfrontiert.  Glücklicherweise war ich noch nie in der Situation,  mit einem Defibrillator zu reanimieren. Ich habe zwar schon Erste Hilfe in vielen Fällen leisten müssen, aber im persönlichen Umfeld hatte ich glücklicherweise noch nicht dieses Erlebnis.

Schmitz: Unser heutiges Thema ist die Defibrillator Wartung, die wir in Deutschland als Sicherheitstechnische Kontrolle bezeichnen.
Seit dem 01.01.2017 hat der Gesetzgeber die Defibrillator Wartung gesetzlich in der Medizinprodukte Betreiberverordnung vorgeschrieben. § 11 verpflichtet die Betreiber von Laien Defibrillatoren spätestens alle zwei Jahre eine Sicherheitstechnische Kontrolle durchzuführen.

Lars, alle mir bekannten Automatisierten Externen Defibrillatoren Geräte testen sich regelmäßig selbst, reicht der Selbsttest nicht bereits aus?

Wöllner: Prinzipiell ja, aber in der Vergangenheit gab es Vorfälle von Defibrillatoren, die nicht funktioniert hätten und auch wenn ein Defibrillator ein Selbsttest ausführt, sollte trotzdem geschaut werden, ob die Elektroden noch da sind und haltbar sind, ob die Batterie noch drinnen ist und so weiter.

Deswegen ist es schon gut, wenn man solch eine Kontrolle macht und den Nutzer wie beim TÜV zwingt, ein Gutachten machen zu lassen, um das Gerät im Notfall weiter benutzen zu können. Es handelt sich um ein Gerät, was vorzugsweise nur da hängt und einem ein Gefühl von Sicherheit geben soll und was man bestenfalls nie braucht. Aber wenn man das Gerät dann im Notfall braucht, sollte es auch funktionieren und deswegen ist eine Sicherheitstechnische Kontrolle definitiv eine schlaue Sache.

Die meisten Geräte testen sich selbst. Aber was wird alles getestet? Die meisten Defibrillatoren checken nicht mal, ob die Elektroden konnektiert sind oder nicht. Wie viele Defibrillatoren hängen in Deutschland irgendwo rum, wo der Laie erst noch die Elektroden dran stecken muss und erst dann kann das Gerät vielleicht testen, ob die Elektroden schlecht sind oder ob überhaupt die Elektroden da sind.

Bei den höherpreisigen Geräten wird abgefragt, ob die Elektrode da ist und ob die Elektrode noch haltbar ist. Viele Geräte messen auch über die Elektrode, ob die Elektrode theoretisch funktionieren könnte, denn es kann ja auch die Folie zerrissen sein, sodass z. B. der Kleber austrocknet.

Schmitz: Lars, was ist Inhalt einer Defibrillator Wartung? Was ist Grundlage für die Prüfung?

Wöllner: Die Grundlage für alles bei uns in Deutschland ist die DIN, wo klar festgelegt ist, wie wir ein Medizinprodukt zu prüfen haben.
Nach mehreren Punkten: Sichtkontrolle – Funktionskontrolle – Abschlussbericht.

Fangen wir mit der Sichtkontrolle an:

  • Ist das Gehäuse beschädigt?
  • Sind die Aufschriften alle lesbar?
  • Ist das Zubehör noch verwendbar?
  • Wann ist das Zubehör abgelaufen?
  • Ist das Zubehör unvollständig?
  • Stimmt irgendetwas mit dem Zubehör nicht?

Der nächste Schritt ist die Funktionskontrolle: Wir schalten das Gerät ein. Wir  lassen je nach Hersteller das Gerät mehrmals schocken. Es gibt Geräte, die eskalieren, d. h. sie geben immer mehr Energie ab oder gleichbleibende Energie haben. Trotzdem müssen wir mehrmals schocken, weil wir dem Gerät auch sagen müssen, dass wir eine Sinuskurve, eine Systole, eine Tachykardie und Flimmern haben. Das muss das Gerät alles unterscheiden können und dementsprechend darauf reagieren, ob ein Schock abgegeben werden muss oder nicht.

Beim Überprüfen des Kindermodus müssen wir noch mehr schocken, weil Kinder häufiger, aber mit weniger Energie geschockt werden.

Des Weiteren werden alle Tasten geprüft und ob das Display alles korrekt anzeigt. Das gilt auch für die Infotaste, welche gerne mal beim Vorbeigehen bespielt wird und Ernstfall weiterhin funktionieren sollte. Wenn wir die Funktionskontrolle gemacht habe und sämtlichen Messwerten ermittelt haben, wird noch alles protokolliert. In dem Prüfprotokoll steht Ort, Datum, alle ermittelte Werte und danach kann das Gerät auch wieder zurück zum Kunden.

Was auch wichtig ist, dass zum Beispiel die Software ständig kontrolliert wird, da Geräte auch noch nach 10-15 Jahre super funktionieren. Über die Jahre können sich die Leitlinien aber ändern und diese sollte man auch am Gerät anpassen.

Des Weiteren gibt es auch noch den Ableitungsstromtest, den wir durchführen. Damit stellen wir sicher, dass die Patientensicherheit gegeben ist. Denn die Defibrillationselektroden sind das Anwendungsteil des Defibrillators und dieses muss auch zum Rest des Gerätes galvanisch getrennt sein, so das von außen keine Energie an den Patienten abgegeben wird. Es kann auch z. B. sein, dass das Gerät intern kaputt ist und die komplette Energie der Batterie auf den Patienten drüber gehen würde und würden so erst einen kardiologischen Vorfall hervorrufen, obwohl wird den eigentlich nicht haben. Deswegen machen wir innerhalb bzw. vor der Funktionskontrolle auch die Ableitungsstrommessung.

Schmitz: Jetzt noch mal für die Zuhörer, es geht darum, dass kein Fehlstrom entsteht und der Patient dadurch verletzt werden könnte.
Lars, kannst du das noch ein bisschen genauer ausführen, was alles zur Dokumentation gehört? Was ist da alles wichtig im Protokoll?

Wöllner: In einem Prüfprotokoll schreiben wir den kompletten Zustand des Gerätes auf. Wir notieren die Seriennummer vom Gerät, was für eine Elektrode verbaut ist, wann sie abläuft und was für eine Batterie verbaut ist. Da ich auch für mich belegen muss, dass das Gerät, die Elektroden etc. in Ordnung waren, halten wir alles schriftlich fest. Es kann auch sein, dass beim Kunden wieder etwas vertauscht wird oder nicht ankommt. Die Werte müssen klar ersichtlich für den Kunden dokumentiert werden, sodass er auch sieht, dass alles im Normbereich liegt.

Schmitz: Zurück zur Dokumentation. Es gibt einmal da wirkliche Protokoll und dann noch das Medizinproduktebuch. Ist auch schön, wenn die Dinge dann auch noch im Medizinproduktebuch nachgehalten werden, dass eine Prüfung durchgeführt wurde. Die Medizinproduktbücher sind aber oft weg. Also mir sind viele Fälle bekannt, wo die Kunden diese nicht mehr haben. Wie gehst DU damit um?

Wöllner:  Vom Grundprinzip her führe ich für jedes Gerät, was ich prüfe, eine Historie. Dadurch weiß ich, wann es bei mir war und wann ich es verkauft haben und kann so das Medizinproduktebuch für die meisten Kunden wieder replizieren. Richtig ist es aber nicht, da es quasi wie ein Serviceheft beim Auto ist und das sollte man eigentlich behalten. Wenn ich ein Gerät verkaufe, sage ich den Kunden bei der Einweisung, dass man auf das Medizinproduktebuch gut aufpassen soll und immer vorzulegen hat.
Die meisten meiner Kunden sind sehr vorbildlich und können mir das Buch auch immer bei der Prüfung vorlegen. Aber ist gibt eben auch andere Fälle, weshalb der Betreiber verantwortlich ist, das Buch zu führen.

Schmitz: Was hältst du von der Digitalisierung bei uns an der Stelle?

Wöllner: Ich finde das persönlich richtig gut. Wir schreiben sowieso alles auf bei der Prüfung, also warum sollte man diese Information dem Kunden nicht gleich zur Verfügung stellen. Ich finde das prinzipiell eine gute Sache, weil so nimmt man dem Kunden diesen lästigen Bürokrieg ab. Die meisten wissen gar nicht, wohin mit dem Papierkram.

Schmitz:  Lars, was sagt eigentlich die Prüfplakette aus?

Wöllner:  Die Prüfplakette sagt eigentlich nur aus, wann Du das Gerät wieder zur Prüfung schicken sollst. Bei einem Zettel hättest Du wieder das Problem, das man gar nicht mehr weiß, wo man diesen abgelegt hat. Durch die Prüfplakette, die direkt auf dem Gerät drauf ist, weiß der Kunde direkt Bescheid, wann das Gerät zur nächsten Prüfung muss. Gleichzeitig gilt die Prüfplakette auch als Siegel, dass das Gerät nicht geöffnet wurde nach der Prüfung, die durchgeführt wurde.

Schmitz:  Welches technische Equipment wird für die Durchführung der Defibrillator Wartung benötigt?

Wöllner:  Zuallererst den Leistungsmesser, der die Joulezahl messen kann, womit ich auch die EKG Signale bzw. die Herzrhythmen simulieren kann. Damit kann ich dem Defibrillator die Herzrhythmen vorgaukeln, damit er den Schock freigibt oder eben nicht. Dann benötigt man noch den Sicherheitstester für den Ableitstrom. Das sind die zwei hauptsächlichsten Sachen, die man braucht, um eine Defibrillator Prüfung durchführen zu können.

Schmitz:  Manchmal misst man auch noch den Batteriestrom mit einem Multimeter, oder?

Wöllner:  Ja, diese Funktion haben die meisten Sicherheitstester sowieso drinnen, kannst du aber wenn du willst, natürlich auch mit einem separaten Multimesser machen. Das kann jeder Prüfer für sich entscheiden.

Schmitz: Lars, wir haben jetzt über die sicherheitstechnische Kontrollprüfung, also Defibrillator Wartung im Allgemeinen gesprochen. Die Kontrollprüfung findet alle zwei Jahre statt, darüber hinaus gibt es aber auch noch weitere Anlässe, um eine sicherheitstechnische Kontrollprüfung durchführen zu lassen. Kannst du dazu was sagen?

Wöllner: Ja, bei den meisten Geräten ist es auch nach dieser Regelwartung, falls das Gerät mal zum Einsatz gekommen sein sollte, eigentlich nicht nötig, dass das Gerät eingeschickt wird und überprüft wird, weil das Gerät ja theoretisch seine Aufgabe erfüllt hat.
Der einzige Aspekt, der halt wichtig wäre, dass man in das Gerät reinguckt und sagt ja es hat wirklich Energie abgegeben. Das Gerät hat etwas gemacht. Jedes Gerät schreibt alles mit, wie viel Energie wurde geladen und abgegeben, was für ein Rhythmus wurde erkannt. Das sollte man sich auf jeden Fall angucken, da das der Kunde im Regelfall nicht kann, ist das der einzige Grund, das Gerät einzuschicken und auswerten zu lassen. Aber im Prinzip reicht es, neue Elektroden dran zu machen und das Gerät zurückzulegen, wo es auch vorher war.

Schmitz: Wenn das Gerät eine Störung hat, ist das auch ein Grund, oder?

Wöllner: Die meisten Geräte haben eine Selbsttestfunktion, wo einem angezeigt wird, dass am Gerät etwas nicht stimmt und dann sollte man es auch wegschicken. Obwohl man die meisten Fehlermeldungen auch selbst beheben kann. Die häufigste Fehlermeldung, bei der mich Kunden anrufen, ist, dass die Elektrode abgelaufen ist.

Schmitz: Welche Kosten fallen bei einer sicherheitstechnischen Kontrolle für einen Kunden an?

Wöllner: Neben den Kosten für die Prüfungen allgemein kommt halt noch der Versand dazu, sowie Ersatzteile, also wie z. B. austauschbare Elektroden, Batterie. Wenn der Kunde auch dazu dann ein Leihgerät braucht, um die Zeit zu überbrücken, kommt das auch noch an Kosten dazu.

Schmitz: Lars, wer darf eigentlich rechtlich Sicherheitstechnische Kontrollen durchführen? Darf jeder Elektriker eine AED Wartung durchführen?

Wöllner: Nicht jeder Elektriker darf eine AED Wartung durchführen, das steht ja auch in der Betreiberverordnung drin. Die mit einer Ausbildung dazu berechtigt sind, dürfen eine AED Wartung durchführen.
Ich bin gelernter Medizintechniker. Aber auch ein Bachelorstudent, der Medizintechnik gelernt hat, darf das auch. Natürlich kann das auch rein technisch gesehen ein Elektriker machen, aber dafür muss er halt wirklich erst ein Lehrgang beim Hersteller besuchen, der ihn dann befähigt dazu das an seinem Gerät machen zu dürfen.

Schmitz: Lars, was hältst Du von Systemen, die eine Überwachung des AED Gerätes ermöglichen? Können diese, wie einige Anbieter behaupten, Defibrillator Wartungen von Medizintechnikern ersetzen?

Wöllner: Eine Wartung können diese Geräte nicht ersetzen. Sie können nur die Überwachung ersetzen, da ist man auch vom Gesetzgeber gefordert täglich zu dem AED zu gehen und zu schauen ob alles in Ordnung ist.

Schmitz: Ich bedanke mich sehr herzlich für Deine Mitwirkung Lars.

Wer sich über das Thema Defibrillator Wartung informieren möchte, der kann dies auf unserer Website JedeMinute machen oder uns via Email unter: info@mekontor.com oder 0800 5 700 800 telefonisch erreichen.

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